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Der mittlerweile zur umfangreichen All-In-One DAW angewachsene Loop- Sequenzer Ableton Live 8 bietet alles, was man zum professionellen Musikproduzieren braucht, bleibt dabei aber weitestgehend intuitiv und auch für Einsteiger – in seinen Grundzügen – schnell begreifbar.
Auf der anderen Seite haben wir da Max. Max ist eine graphische Programmierumgebung zur Datenstrommanipulation. Mit Max können Patches erzeugt werden, das Grundgerüst sozusagen, mit dem Sensoren (Inputs) und Aktoren (Outputs) im weitesten Sinne mit anderen verschaltet, kombiniert und manipuliert werden können. Als Quellen dienen dabei z.B. Audiosignale, Videokameras, MIDI-Interfaces, Webservices oder ähnliches. Zur eigentlichen Manipulation stehen dann andere Objekte bzw. Module zur Verfügung. Diese Module bieten einfache Grundoperationen, wie “+” und “-“ , können aber auch ganze Patches beinhalten, welche wiederrum aus verschachtelten Patches bestehen dürfen, usw. Diese Container, auch Abstractions genannt, können deshalb ein sehr hohes Maß an Komplexität erreichen. Mit der Maus werden die Ein- und Ausgänge der Objekte durch Linien-Zeichnen verbunden – sie visualisieren den Datenstrom. Wer Signalflussdiagramme kennt, findet sich schnell zurecht.
In den zahlreichen Objekten und Erweiterungen finden sich auch ganze Synthesizer und Videogeneratoren. Darüber hinaus kann auch auf Socket-Ebene kommuniziert werden: RSS, Twitter, Shoutcast, alles kein Problem! Wenn das immer noch nicht reicht,der kann auch noch eigenen Code, über sogenannte Externals, in Max einbinden…
Eine dieser Erweiterungen ist zum Beispiel MSP für Real-Time Audiosynthese und Manipulation. Deshalb spricht man in Audiokreisen meist gleich von Max/MSP. Jitter hingegen erlaubt die Erzeugung und Manipulation von Bildern, Videos und 3D-Grafiken, soll uns hier aber nur am Rande beschäftigen. Dennoch, VJ ick hör dir trappsen…
Pluggo wiederum war eine Sammlung an fertigen Max/MSP Patches, welche direkt in VST-Umgebungen geladen werden konnten. Pluggo wird wie Mode, Hipno und UpMix allerdings nicht mehr weiter verkauft, da man sich – aus Kompatibilitätsgründen – nun ausschließlich auf Ableton Live konzentrieren möchte. Das könnte einige, ältere Max Kunden verärgern… Kommerziellen Anbieter von Pluggo-lauffähigen Plug-Ins könnte das richtig Ärger bringen. Wer also bereits mit Max/MSP arbeitet, sollte aufpassen.
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So weit, so gut. Max for Live erweitert jetzt Max 5 (so nennt sich die aktuellste Version) um die Fähigkeit, Live direkt auf proprietärer Ebene anzusprechen. Somit wird es ein leichtes, eigene Modifikationen an Live vorzunehmen und Controller-Maps für MIDI-Geräte zu erstellen, die Launchpad, APC und Co mindestens das Wasser reichen können. Selbst Ableton Plug-Ins – so genannte Live Devices (Live-Geräte) – zu erstellen, wird möglich.
Glücklicherweise sind schon fertige Devices mit an Bord: Mit je einem exklusiven Gerät pro Gattung (Instruments: Loop Shifter – MIDI-Effects: Step Sequencer – Audio-Effects: Buffer Shuffler) und jeweils ca. 25 Presets zeigt man sich spendabel, gibt sich – für meinen Geschmack – aber zu sehr dem experimentellen Glitch und Beat Repeat Sound hin.
Die etlichen, aus der Pluggo-Sammlung bereits bekannten, Max/MSP-Effekte wurden für Ableton neu aufgelegt und stehen direkt über den Live-Geräte-Browser zur Verfügung. Man erhält so acht zusätzliche Instrumente, wie Additive Heaven, Analogue Drums, Bassline, Big Ben Bell, Flying Waves, Laverne, Shephard Tones und Vocalese sowie 39 weitere Audioeffekte. Und je Gerät gibt es wiederum bis zu acht Presets.
Und damit immer noch nicht genug: Im Unterpunkt Tools gibt es weitere kleine Helferlein, die vom einfachen EQ bis hin zum komplexeren MIDI-Effekt reichen. Hier finden sich auch die Building Blocks, die in ihrer Komplexitätt eher begrenzt sind und deshalb wunderbar als Ausgangspunkt für eigene Kreationen dienen. Einsteigern können sie helfen, die komplexe Materie zu durchdringen.