So klingt das Clavia Nord Piano 6 in der Praxis
Eine Besonderheit von Clavia Nord ist die wirklich große Piano Library. Davon profitiert auch das Nord Piano 6. Insbesondere bei den akustischen Flügeln und Upright Pianos findet man hier alles, was das Herz begehrt. Jedes Piano hat einen ganz eigenen Charakter und die Auswahl reicht von hellen Flügeln bis zu dumpfen Uprights für atmosphärische Filmmusik.
Das White Grand gehört zu meinen Lieblings-Pianos, genau wie das Amber Upright – sie sind wirklich sehr gelungen. Natürlich verfügen die Pianos allesamt über Nebengeräusche wie z.B. Saitenresonanzen und auf Wunsch lässt sich sogar ein Pedalgeräusch aktivieren. Letzteres reagiert sogar dynamisch – je nachdem, wie stark ich auf das Pedal trete! Hören wir uns ein paar Beispiele an.
E-Pianos des Nord Piano 6
Auch bei den E-Pianos gibt es eine Menge sehr schöner und unterschiedlicher Klänge. Zwar ist die Auswahl hier nicht ganz so groß wie bei den akustischen Pianos, aber dennoch finden wir hier zahlreiche Rhodes, Wurlitzer und Clavinet Sounds. Auch FM-Pianos und weitere digitale Kandidaten sind in den verschiedenen Kategorien zu finden.
Sample-Synth-Abteilung
Besonders umfangreich wird es im Bereich der Sample-Synth-Abteilung des Nord Piano 6. Schon ab Werk befindet sich im Nord Piano 6 eine beeindruckende Menge an Samples, die in zahlreichen Kategorien geordnet sind. Egal ob Bläser, Gitarren, Streicher oder Synthesizer: hier ist wirklich alles dabei.
Auch die erst kürzlich hinzugefügten Spitfire Strings sind wirklich sehr schön geworden. Daneben gefallen mir die zahlreichen Synth-Sounds, unter denen sich z.B. Lead-Sounds, Synth-Bläser und Pads tummeln. Die Lead-Sounds profitieren vom Mono/Legato-Modus, mit dem sich die Samples fast wie bei Analog-Synthesizern spielen lassen. Außerdem kompensiert man damit gewissermaßen den nicht vorhandenen Pitch-Bender. Auch das sich wahlweise einschleichende Vibrato ist ein schönes Feature!
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Unison und Timbre
Sowohl die Piano- als auch Sample-Synth-Abteilung bieten jeweils einen Unison-Effekt, der in drei Stufen anwählbar ist. Damit vervielfacht man den Klang und verstimmt ihn leicht. So versieht man einen Piano-Sound mit dem nötigen 80er-Jahre-Chorus, ohne auf die Effekt-Abteilung zurückzugreifen. Auch bieten die zahlreichen Timbres in der Piano-Abteilung sehr nützliche EQ-Presets, um ein E-Piano beispielsweise glockiger oder bassiger klingen zu lassen.
Split und Layer
Sein volles Potential entfaltet das Nord Piano 6 vor allem dann, wenn man sprichwörtlich alle Register zieht. Mit insgesamt vier Layern kann man dem Stagepiano jedenfalls wirklich fette und sehr unterschiedliche Klänge entlocken. Angereicht mit zahlreichen Effekten kann man hier eine erstaunliche Bandbreite erzielen.
Im ersten Beispiel ist ein Split mit Synth Bass links und Piano gelayert mit Synth Brass – so hätte es z.B. bei Simply Red klingen können. Jeder Klang wurde dabei individuell mit Effekten versehen, was zu noch mehr Breite und Charakter führt. Im darauf folgenden Beispiel habe ich nacheinander ein akustisches Piano, ein E-Piano sowie Synth-Pad und Streicher gemischt. Der Klang wird also nach und nach gewaltiger!
Effekte des Nord Piano 6
Hören wir uns zum Abschluss noch ein paar Effekte an. Denn gerade hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger einiges getan: Nicht nur bieten die zwei Modulationseffekte Mod1 und Mod2 dank ihrer Rate- und Amount-Regler jetzt deutlich mehr Finesse. Auch das Delay mit Stereo-Ping-Pong und Feedback-Filter hinterlässt einen starken Eindruck.
Interessant ist auch der Flam-Effekt, welcher das Delay optional in sehr kurzen Slapback-Intervallen erklingen lässt. In Kombination mit dem Ping-Pong-Effekt entstehen hier sehr interessante Räume. Daneben ist mein persönlicher Favorit der Chorale-Effekt, welcher auf Wunsch die Hallfahne des Reverb mit einem Chorus moduliert. Gerade beim Hall und Cathedral ist das besonders atmosphärisch.
Bedienung
Durch das neue Bedienkonzept lässt sich das Nord Piano 6 intuitiv bedienen. Der direkte Zugriff auf die Panels ist wirklich praktisch. Einen passenden Sound aussuchen, dazu ein paar Effekte, und weiter geht es mit dem nächsten Layer.
Auch in der Sample-Synth-Abteilung wird man sehr schnell fündig. Außerdem sind die übersichtlichen, aber durchdachten Taster bzw. Regler wie z.B. Hüllkurve, Unison oder Mono/Legato sinnvoll. Was mir bei der Suche nach Klängen sehr geholfen hat, war die passende Listen-Ansicht. In Kombination aus Shift-Taste und Drehencoder werden Klänge über das Display übersichtlich als Liste dargestellt. Auch das Speichern, Benennen oder Tauschen von Klängen ist innerhalb kürzester Zeit erlernt. Auch über den Nord Sound Manager können Klänge sehr einfach verwaltet werden, was z.B. bei der Organisation für Auftritte oder Proben sehr nützlich ist.

Nord Library
In der Praxis lässt sich das Nord Piano 6 mit seinem recht großen Speicher sehr individuell mit Sounds bestücken. Das Angebot der Nord Piano Library sowie der Nord Sample Library ist über die Jahre so umfangreich geworden, dass hier wirklich für jeden Zweck etwas dabei ist. Insbesondere bei den Pianos finde ich es gut, dass die zahlreichen akustischen Pianos in verschiedenen Größen verfügbar sind.
So kann man sich überlegen, ob man lieber wenige Pianos in der XL-Version verwendet, oder lieber möglichst viele Klänge in kleineren M- bzw. S-Größen. Natürlich verzichten die Pianos in den kleineren Varianten auf klangliche Details, aber selbst das ist mir in der Praxis nie sonderlich aufgefallen.
Nord Piano 6 – Das sind die Alternativen
Features | Nord Piano 6 (88) | Korg Grandstage X | Kawai MP11SE |
---|---|---|---|
Tastatur | 88 Tasten Hammermechanik (nicht skaliert) | 88 Tasten skalierte Hammermechanik | 88 Tasten skalierte Hammermechanik |
Klänge | Nord Sound Library | 700 | 40 |
Polyphonie | 120 | 128 | 256 |
Split/Layer | 4 Layer, 2 Splitzonen | 3 Layer, 2 Splitzonen | 3 Layer, 3 Splitzonen |
Anzahl Effekt- Slots | 7 | 3 | 3 |
Line-Eingang | ja | ja | ja |
Symmetrische Ausgänge | nein | ja | ja |
Gewicht | 19,2 kg | 25kg | 34kg |