Praxis
Jetzt geht es ans Eingemachte und wir werden testen, ob die Tribute 50´s Les Paul das halten kann, was ihr großer Name verspricht. Bedingt durch den günstigen Kurs der 50´s müssen im Vergleich zu den teureren Schwestern natürlich kleine Abstriche gemacht werden. So kommt das Instrument nicht in einem stabilen Formkoffer, sondern in einem einfachen Gigbag. Das ist aber so gut verarbeitet und gepolstert, dass dem guten Stück bei normaler Beanspruchung nicht viel passieren kann.
Zuerst werden wir uns mal die drei Pickup-Kombinationen in Verbindung mit einem Clean-Sound (Fender Twin Reverb) anhören. Insgesamt liefert die Gitarre einen sehr frischen Grundsound, der sich etwas von dem einer Standard Les Paul mit Humbuckern unterscheidet, die ja meist einen eher warmen, leicht bassbetonten Klang bieten. Im Vergleich dazu sind bei der 50´s Tribute die oberen Mitten stärker vertreten.
Hier die drei Pickup-Kombinationen – zur besseren Vergleichbarkeit mit derselben Akkordfolge gespielt.
Beim Halspickup ist der Bassbereich am stärksten ausgeprägt, kommt dabei aber immer noch sehr schlank und knackig rüber – was mir persönlich sehr gut gefällt. Dadurch bleibt man dem Bassisten in der Band einigermaßen aus dem Frequenz-Gehege. Die Kombination beider Pickups erzeugt einen perligen Clean-Sound mit angenehmen Höhen. Der Steg-Pickup klingt im Clean-Bereich zwar sehr brillant, wirkt dabei aber zu keinem Zeitpunkt bissig. Man merkt hier ganz klar die Handschrift der P90-Pickups, die auch beim Steg-Pickup und leichtem Anschlag einen weicheren Sound erzeugen. Der Ausgangspegel ist beachtlich und steht z.B. einer „normalen“ Les Paul Studio mit Humbucker-Bestückung in nichts nach.
Mit der Kombination beider Pickups lassen sich die typischen Sounds einer Single-Coil-Zwischenposition erzeugen: Perkussive Clean-Sounds, die sich bei dieser Gitarre durch ihren kräftigen Ausgangspegel besonders gut in der Band durchsetzen. Auch die Ansprache ist sehr direkt und knackig – Eigenschaften, die man von einer Les Paul eigentlich nicht unbedingt gewohnt ist. Hier ein Beispiel mit einem Reggae Groove:
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Die Ansprache der Gitarre und die Übertragung der feinsten Spielnuancen machen richtig Spaß. Hier wird wirklich jede Dynamik-Stufe, die man an der Gitarre produziert, 1:1 an den Amp weitergeleitet. So soll das sein! Ihr hört als Nächstes ein Beispiel, bei dem ich ein identisches Riff in vier Durchgängen gespielt habe. In den ersten beiden Durchgängen wurde der Hals-Pickup benutzt, zuerst leicht angeschlagen, dann hart. Für die letzten beiden Durchgänge habe ich dann auf den Steg-Pickup gewechselt und auch hier zuerst leicht und dann hart angeschlagen. Man hört es sehr gut: Der Sound ist exzellent mit den Fingern zu gestalten. Die Gitarre kann mal leise Flüstern und im nächsten Moment sehr laut schreien, ohne dass man irgendetwas an Amp oder Instrument verändern müsste.
Bei den angezerrten Sounds kommt diese Bandbreite natürlich besonders intensiv zum Tragen. Die Kombination beider Pickups lässt sich zum Beispiel sehr gut zum angecrunchten Akkordspiel nutzen.
Auch die Möglichkeit, den Verzerrungsgrad über den Volume-Regler der Gitarre zu kontrollieren, ist hier in ausreichendem Maße vorhanden. Das Poti erlaubt es, die Verzerrung herauszunehmen und liefert bei niedrigen Einstellungen trotzdem noch einen guten Pegel. Den Regelweg kann man als relativ linear bezeichnen, die Verzerrung geht gleichmäßig zurück. Beim nächsten Beispiel hatte ich den Volume-Regler zuerst auf drei, dann voll aufgedreht. Bei niedrigen Einstellungen werden auch die Höhen leicht abgesenkt.
Jetzt wird die Arbeitsweise der Tone-Potis untersucht. Dieses senkt bei beiden Pickups den Bereich ab ca. 2 kHz. Dadurch sind auch mit dem Steg-Tonabnehmer muffige Sounds möglich. Im folgenden Beispiel hört ihr die komplette Bandbreite- einmal wird der Tone-Regler komplett abgedreht, danach voll auf.
Auf diese Weise lässt sich natürlich intensiv Einfluss auf den Klang der Gitarre nehmen. Wie so etwas aussehen kann, hört ihr im nächsten Beispiel. Hier habe ich zuerst den Hals-Tonabnehmer mit komplett abgedrehtem Tone-Poti im Einsatz, danach schalte ich auf den Steg-Pickup, bei dem alles voll aufgedreht ist. Mit seiner Unterstützung lassen sich perfekt alle Arten gefilterter Distortion-Sounds erzeugen. Vor allem spricht die Gitarre gut auf Artificial Harmonics an und fügt mühelos Obertöne hinzu.
Auch Metal-Sounds sind mit diesem Instrument bedingt möglich. Die Pickups haben einen guten Output und sorgen so am Amp für eine ordentliche Portion Verzerrung. Allerdings wird es bei sehr hohen Gain-Einstellungen schon etwas kritisch mit dem Einstreuungsverhalten der Tonabnehmer. Es sind eben doch Single-Coils, und daher ist es vollkommen normal, dass es irgendwann mal zu brummen beginnt. Bei mir im Studio ließ sich das problemlos in den Griff bekommen, aber auf der Bühne mit einer etwas größeren Lichtanlage kann es schon ein wenig schwieriger werden. Deshalb würde ich die Gitarre für den ausschließlichen HiGain-Einsatz nicht empfehlen. Aber sie könnte es, hier ist der Beweis:
Auch bei einem stark verzerrt eingestellten Amp verlieren die Pickups nichts von ihrer klanglichen Transparenz. Im folgenden „Akkord-Test“ habe ich die Akkorde E, G, D, A, E bei hoher Verzerrung hintereinander angeschlagen – und sie sind nach wie vor noch klar zu erkennen. Beim letzten E-Akkord wurden die Saiten nacheinander angeschlagen, und auch hier ist jeder Ton – trotz des hohen Gains – gut zu hören.
helwithor sagt:
#1 - 11.04.2012 um 12:59 Uhr
Toller Bericht,
ich habe diese alten Humbucker immer für langweilig gehalten, aber die Soundbeispiele sind wirklich klasse.
heinpete sagt:
#1.1 - 02.11.2022 um 12:20 Uhr
Sind aber Single Coil Pickups!
Antwort auf #1 von helwithor
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenFrank sagt:
#2 - 13.03.2016 um 14:22 Uhr
Wo bekomme ich die Les Paul Studio 50´s Tribute Worn Cherry Sunburst für 777,- ???
Thomas Dill - bonedo sagt:
#3 - 13.03.2016 um 17:49 Uhr
Hallo Frank,
Der Test ist schon ein paar Jahre her und dieses Modell wird (leider) nicht mehr hergestellt. Wahrscheinlich musst Du Dich auf dem Gebrauchtmarkt umsehen oder ein paar Händler abklappern, ob die vielleicht noch ein Modell da haben. Das könnte tatsächlich schwierig werden. Der angegebene Preis war der Aktuelle zum Zeitpunkt des Tests, wie es jetzt aussieht weiß ich leider nicht. Ich wünsche Dir viel Glück...
Schöne Grüße
Thomas