Die Band Pantera, die ursprünglich 1981 als Glam-Metal-Band von den Brüdern Vinnie Paul (Schlagzeug) und Dimebag Darrell (Gitarre) gegründet wurde, erlangte Anfang der 90er-Jahre durch ihren aggressiven Sound große Bekanntheit. Weltbekannte Nummern wie zum Beispiel „The Walk“ oder eben auch „I’m Broken“ sind perfekte Beispiele für das Groove-Gewitter, das die beiden Brüder entfachen konnten – und sie trugen damit zur Entstehung eines Sub-Genres bei: Groove-Metal.

Vinnie Paul, der 2018 überraschend an einem Herzinfarkt starb, war ein wahrer Heavy-Hitter. Die hoch gestimmte Snare spielte er stets sehr kräftig mit Rimshots, die Bassdrum hatte einen präzisen, schmatzigen Sound. Vinnie benutzte ein umfangreiches Doublebass-Drumkit mit großen und tief gestimmten Toms, wodurch seine Fills immer sehr mächtig klangen. Zudem crashte er auch gerne das Ridebecken und spielte die Hi-Hat halboffen in durchgehenden gleichlauten Achtelnoten – kurzum: Vinnie’s Spiel und Sound steuerten einen sehr großen Teil zum aggressiven Sound von Pantera bei.
Bei „I’m Broken“ geht es lyrisch um die Rückenschmerzen des Sängers Phil Anselmo, dem die ausgedehnten Touren der Band zu schaffen machten. Der Song ist entstanden, indem Dimebag das Hauptriff bei einem Soundcheck auf Tour spielte und Vinnie und Rex Brown (Bass) spontan einstiegen. Er wurde die erste Single-Auskopplung zum 1994er Album „Far Beyond Driven“.
Durch das gute Zusammenspiel der Band wirkt „I’m Broken“ zunächst recht geradlinig und simpel, doch der erste Eindruck täuscht. Hier wird tatsächlich auch mit ungeraden Takten hantiert. Und an vielen Stellen blitzt auch noch diese Spontaneität und Verspieltheit durch, die der Song wohl seinem Ursprung als Soundcheck-Riff zu verdanken hat. Was das genau heißt, schauen wir uns mal in diesem Workshop an.
Die Grooves
Es geht ohne Umschweife sofort los mit dem Hauptriff. Vinnie Paul spielt hier einen kräftigen Halftime-Groove – Kick und Snare sind sehr hart und gleichmäßig gespielt. Die halb geöffnete Hi-Hat spielt durchgehende Achtelnoten, die alle etwa gleich laut sind. Dieses Hi-Hat-Spiel zieht sich durch den ganzen Song, was den Grooves hier zusätzlichen „Pfeffer“ gibt. Nach einem kurzen Fill mit triolischer Bassdrum und Flam auf der Snare geht es dann in das zweite Riff, welches Vinnie jetzt auf einem gecrashten Ride begleitet.

Im Vers kommen wir nun zum ersten ungeraden Takt. Vinnie spielt einen 7/8, bleibt dabei aber im Halftime-Feel mit der Snare auf der fünften Achtel. Die Hi-Hat setzt sich mit gezielten Lifts und Akzentuierungen genau auf das Gitarrenriff. Nach sechs Takten schiebt die Band zwei 4/4-Takte ein, bevor sich das gleiche Schema wiederholt. Das klingt jetzt relativ komplex, im Song fällt es aber gar nicht so stark auf. Die Taktwechsel wirken durch das präzise Zusammenspiel und den rollenden Groove absolut natürlich.

Der Pre-Chorus erscheint zunächst rhythmisch etwa undurchsichtig
Nach dem Vers geht es in eine Art Pre-Chorus, wo es rhythmisch nochmal etwas undurchsichtig zugeht. Zunächst spielt Vinnie einen sehr straighten Halftime-Groove mit Achtel-Hi-Hat. Zur Hälfte des dritten Taktes steigt er dann aber komplett auf das Gitarrenriff ein, welches eine 6/8-Figur spielt. Das resultiert in einem Wechsel von 4/4 zu 6/4. Der rhythmische Effekt klingt aber ziemlich musikalisch – das könnte beim spontanen Jam passiert sein.

Dann geht es über den Chorus, welcher aus dem Hauptriff besteht, in den zweiten Vers. Hier spielt Vinnie eine kleine Hi-Hat-Variation

Am Ende des zweiten Chorus spielt die Band wieder das Fill, welches aus Dreiergruppen besteht. Doch dieses Mal wird die Figur sechsmal wiederholt, bevor es in den nächsten Part geht. Die Bassdrum der sechsten Wiederholung ist dabei die „1“ des darauffolgenden Parts.

Wie man hier sieht, ergibt sich daraus ein 5/4-Takt, bevor es dann im nächsten Part wieder sehr straight zur Sache geht. Gar nicht so einfach – dadurch groovt der stampfende Halftime-Beat im nächsten Part aber umso mehr. Die Gitarren spielen hier weiterhin die Dreiergruppen, während Vinnie einen simplen 4/4-Groove darunterlegt.

Im Gitarrensolo von “I’m Broken” gibt es weiterhin einen Halftime-Beat
Dimebags Gitarrensolo unterlegt Vinnie mit einem simplen Halftime-Beat. Die Bassdrum wird hier viel auf den Off-Beats gespielt, während er dem Hi-Hat-Pattern durch leiser gespielte Off-Beats mehr Dynamik verleiht. Damit nimmt er sich in diesem Part etwas zurück und gibt dem Gitarrensolo mehr Platz.

Dieser Song ist ein perfektes Beispiel für das tolle Zusammenspiel der Abbott-Brüder. Trotz der teilweise doch recht komplexen rhythmischen Struktur klingt der Song sehr verspielt und natürlich.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachspielen! Bis zum nächsten Mal!