Kawai ES-60 Digitalpiano Test: Hammermechanik zum Budgetpreis

Klänge des Kawai ES-60

Der erste Klaviersound, der nach dem Einschalten erklingt, ist der „Concert Grand“ – eine Nachbildung des Shigeru Kawai SK-EX Konzertflügels. Dieser Sound ist dynamisch und gut ausbalanciert, mit satten Bässen und einem klaren Diskant. Die beiden weiteren Flügel-Modelle „Jazz Grand“ und „Mellow Grand“ bieten interessante Kontraste.

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Concert Grand Jazz Grand Mellow Grand

Weitere Sounds

Neben den akustischen Pianos bietet das Kawai ES-60 auch verschiedene E-Piano-Sounds wie Rhodes, Wurlitzer und DX Piano. Diese klingen für ein Einsteigerpiano ebenfalls sehr gut. Auch Orgeln, Streicher und ein Clavinet sind verfügbar, und es fehlen natürlich auch Bass-Sounds für den Split-Sound nicht.

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Tine Electric Piano Reed Electric Piano Modern Electric Piano Jazz Organ Slow Strings Clavinet

Split- und Dualmodus

Apropos Split- und Layermodus. Das Kawai ES-60 ermöglicht selbstredend auch das Spielen zweier Klänge – entweder als Layer oder im sogenannten Dual-Modus. Letzterer bietet übrigens zunächst nur einen festgelegten Splitpunkt (beim C4). Wie ich später herausgefunden habe, lässt sich der Split-Punkt via PianoRemote App auch auf andere Tasten festlegen. Um die beiden Modi zu aktivieren lohnt sich ein Blick in das Handbuch des Kawai ES-60, denn nicht alle Funktionen sind oberhalb der Tastatur auf dem Gehäuse aufgedruckt.

Kawai ES-60 Tastenkombinationen
Die aufgedruckte Schrift verrät, dass über die Tastatur auch weitere Funktionen aktiviert werden können.

Weitere Einstellungen mittels Tastenkombinationen: Split und Layer

Erfreulicherweise kommt das Kawai ES-60 aufgrund der kompakten Features mit einer Anleitung auf exakt zwei Seiten aus. Für die Erstellung eines Splits bzw. Layers sind jedoch mehrere Schritte nötig. Während man den Sound-Taster gedrückt hält werden mit C#1 der Split bzw. D#1 der Dual-Modus aktiviert. Die LED oberhalb des Sound-Tasters blinkt daraufhin mehrfach. Während man den Sound-Taster weiterhin gedrückt hält, werden jetzt die beiden gewünschten Klänge nacheinander ausgewählt. Erst jetzt kann der Sound-Taster losgelassen werden. Das ist anfänglich ein bisschen umständlich, nach ein paar Einstellungen hatte ich den Dreh dann aber raus. Auf der letzten Seite des Handbuchs sind alle Funktionen, die man über Tastenkombinationen erreicht, noch einmal gut erkennbar aufgelistet. Einfacher geht es aber mit der App!

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Split Sound Layer Sound

Reverb im Kawai ES-60

Um den Sounds ein bisschen mehr Räumlichkeit einzuhauchen verfügt das Kawai ES-60 über drei verschiedene Hall-Effekte, die man ohne weitere Einstellmöglichkeiten einfach per Tastenkombination hinzufügen kann. Neben dem Room stehen auch ein Small Hall sowie ein Concert Hall bereit. Über die PianoRemote App lässt sich die Auswahl der Hall-Effekte übrigens leichter vornehmen – aber dazu später mehr.   

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Reverb: Room, Small Hall, Concert Hall

Metronom und Rhythmen

Mit seinen 30 Drum-Rhythmen bietet das Kawai ES-60 ein Feature, das man in vielen anderen Digitalpianos vergebens sucht. Hierbei handelt es sich übrigens nicht um eine ausgewachsene Begleitautomatik, sondern lediglich um einfache Drum-Grooves. Mit einer Tastenkombination aus Function-Taster und der Taste C4 werden Metronom bzw. Rhythmen aktiviert. Weitere Rhythmen werden über die Tasten C6 und D6 durchgesteppt – so wie auf dem Gehäuse abzulesen ist. Neben klassischen Rhythmen sind auch ein paar Drum Machine Rhythmen zu hören, was mir persönlich sehr gut gefällt. Das passende Tempo kann übrigens über die Kombination „Function“ und D4 bzw. E4 erhöht bzw. verringert werden. Alternativ besteht sogar die Möglichkeit, das Tempo über zehn zugewiesene Tasten als numerischen Wert einzugeben. Wem dies zu umständlich ist, der findet über die PianoRemote App einen schnelleren Weg. 

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Verschiedene Drum Rhythms

Kawai ES-60 – das sind die Alternativen:

Kawai ES-60Yamaha P-145Roland FP-10
HammermechanikRHLGHCPHA-4
Klänge171015
Rhythmen30neinnein
Polyphonie1926496
Eingebaute Lautsprecher2 x 10 Watt2 x 7 Watt2 x 6 Watt
BluetoothneinneinBluetooth MIDI
Gewicht11 kg11,1 kg12,3 kg
Preis489,0 €398,00 €399,00 €
Affiliate Link:KAWAI ES 60YAMAHA P 145Roland FP-10

Bedienung

Im Grunde genommen könnte man das Kawai ES-60 fast schon als „Plug- And Play“ Piano bezeichnen. Immerhin ist es sehr überschaubar in seinen Funktionen. Über den Sound-Taster kann man sich schnell und einfach durch die 17 navigieren. Wer einen gezielten Klang auswählen möchte, kann dies auch mittels Tastenkombination aus „Sound“ und den weißen Tasten von C1-E3 tun. Für die meisten Anwender wird dies sicherlich schon vollkommen ausreichen. Allerdings bietet das Kawai ES-60 eine Menge weiterer Einstellungen, die man über Tastenkombinationen erreicht. Dafür benötigt man das Handbuch, denn viele weitere Features werden über Kombinationen mit schwarzen Tasten erreicht – und diese sind leider nicht auf dem Gehäuse aufgedruckt. Das ist zwar nicht intuitiv, lässt sich aber mit einem schnellen Blick in das Handbuch erledigen.

Spielgefühl der RHL-Tastatur

Die Responsive Hammer Light Tastatur des Kawai ES-60 gehört eher zu den leichtgängigen Tastaturen, die man in einem Digitalpiano finden kann. Für einen Anfänger ist das aber keinesfalls schlecht. Wenn ich mich an meine Anfänge am Piano erinnere, habe ich eine lange Zeit mit schweren Tastaturen gekämpft. Die RHL-Tastatur des Kawai ES-60 ist einfach zu spielen und lässt sich gut kontrollieren. Auch überzeugt sie mit einer angenehmen Oberfläche. Eine Druckpunktsimulation bietet sie zwar nicht, aber das wird man auch bei anderen Einsteiger-Pianos dieser Preisklasse nicht finden.

Lautsprechersystem des Kawai ES-60

Die Lautsprecher des Kawai ES-60 bieten – zumindest auf dem Papier – eine hohe Leistung für ein derart kompaktes Piano. Beim Testen des Pianos ließ sich dieser Eindruck bestätigen. Die zwei auf der Unterseite befindlichen Lautsprecher bieten einen guten und ansprechenden Sound, der keinesfalls dröhnt oder wummert. Selbst bei aufgedrehtem Volume-Fader klingt das Kawai ES-60 immer noch sehr klar und kontrolliert. Ein schönes Feature ist außerdem der Lautsprecher EQ, welcher den Klang je nach Position auf einem Stativ oder Tisch anpasst.

PianoRemote App

Kommen wir zu den beiden kostenlosen Apps, die Kawai für seine Digitalpianos anbietet. Leider verfügt das Kawai ES-60 nicht über eine Bluetooth-Schnittstelle, was die Verwendung eines speziellen Kabels zur Verbindung benötigt. Die PianoRemote App vereinfacht die Bedienung des ES-60 und hilft nicht nur bei den Klangeinstellungen, sondern vor allem bei tiefergehenden Funktionen, die sonst über umständlichen Tastenkombinationen zu erreichen sind. Das GUI ist sehr schön und alle Funktionen sind schnell zu erreichen. So lassen sich übrigens auch Split- und Layer-Sounds sowie Hall-Einstellungen im Handumdrehen vornehmen. Über die App können außerdem musikalische Ideen aufgenommen und gespeichert werden. Ich selber habe die App bei der Bedienung als sehr hilfreich empfunden.

PiaBookPlayer App

Für das Spielen klassischer Musik bietet Kawai noch eine weitere App: im PiaBookPlayer stehen über 300 klassische Musikstücke zur Verfügung. Die Auswahl reicht von Bach über Hanon bis Chopin. Zugegeben: hierfür empfiehlt sich ein größeres Tablet, denn auf meinem Smartphone konnte ich die kleinen Noten kaum noch lesen. Nach dem Auswählen eines Musikstücks spielt die App das Stück vor. Neben dem Tempo kann man hier auch wahlweise nur die linke oder rechte Hand vorspielen lassen und dazu üben. Die beiden Apps sind in jedem Fall eine schöne Ergänzung zum Kawai ES-60!

Fotostrecke: 5 Bilder Die PianoRemote App bietet ein schönes User Interface und erleichtert die Bedienung des Kawai ES-60.
Fotostrecke: 4 Bilder Der PiaBookReader ermöglicht das Erlernen von über 300 klassischen Musikstücken.
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