KORG NTS-3 Kaoss Pad Kit in der Praxis
Das Korg Nu:Tekt NTS-3 Kaoss Pad Mini Kit wirkt aufgrund seiner kompakten Dimensionen wie ein moderner Nachfolger des Mini Kaoss Pad von 2010. Vor dem „chaotischen“ Spielspaß haben die Entwickler jedoch den Zusammenbau gesetzt. Für manchen ist das eine große Freude, für mich eher eine Pein. Ich schraube halt lieber gleich an den Potis als erst an winzigen Schräubchen. Aber selbst ich habe es mit meiner recht unterbemittelten Bastelbegabung geschafft, den NTS-3 unfallfrei zusammenzusetzen.
Hilfreich beim Zusammenbau ist dieses kleine Video, das KORG freundlicherweise ins Netz gestellt hat.
Sind ein paar Schräubchen übrig: Keine Panik, das ist Absicht. KORG hat sich nicht lumpen lassen und ein paar mehr beigelegt, weil die kleinen Dinger doch gern mal verschwinden. Auch ein kleiner Schraubenzieher liegt bei, aber ich empfehle ein passendes Werkzeug mit längerem Schaft. Nach dem Zusammenbau lohnt sich das Update auf die aktuelle Firmware 1.2.0 und der Download des KORG Kontrol Editors. Windows User müssen zusätzlich den Treiber herunterladen.
Betrieb des KORG NTS-3
Nach dem Einschalten begrüßt uns das sechs-stellige LED. Längere Namen werden per Laufschrift dargestellt, Parameter werden oft eher kryptisch bezeichnet, aber man kommt klar. Die Stromversorgung erfolgt über USB. Leider verfügt der NTS-3 nicht über einen aufladbaren Akku. Nutzer von tragbaren akkubetriebenen Instrumenten, wie der Roland AIRA Compact Serie oder des Yamaha SEQTRAK, dürften darüber enttäuscht sein. Aber eine Power-Bank geht natürlich auch.
https://www.bonedo.de/artikel/yamaha-seqtrak-test/
Die Effekte des KORG NTS-3
Die 100 Presets sind wie bereits von anderen Kaoss Pads gewohnt in Gruppen sortiert. Die Speicherplätze 01 – 18 sind mit Filtereffekten gefüllt, 19 – 35 sind Modulationseffekte, 36 – 59 sind Programme mit LFO, bei 60 – 71 finden wir verschiedenste Delays, auf 72 – 79 kommen dann Reverb/Hall-Effekte.
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Die „Looper“ auf 80 – 91 dienen nicht zum Aufnehmen von Loops (schön wär‘s), sondern sind vergleichbar mit dem Scatter-Effekt einiger Roland/AIRA-Teile. Aber auch Kaossilator-ähnliche Effekte sind hier programmierbar, einige Beispiele finden wir auf den Programmplätzen 92 – 97 als sogenannte „Oszillatoren“. Das sind bislang die üblichen Drones, LFO-Wobbles und Electro-Toms. Ich bin aber gespannt, wann wir die ersten „richtigen“ Synthesizer-Engines von Third-Party-Entwicklern bekommen.
Für einen kurzen Überblick habe ich mal alle Preset-Effekte des KORG Nu:Tekt NTS-3 Kaos Pad Kit kurz jeweils für vier Takte angespielt, fein säuberlich eingeteilt in die Gruppen Filter, Modulation, LFO, Delays, Reverbs, Looper, und Oszillatoren.
Bühnentauglichkeit
Laut Produktwebsite wurde „das NTS-3 … mit dem Fokus auf Live-Performances hin entwickelt“. Leider hatte ich bislang noch keine Gelegenheit, das Teil auf eine Bühne mitzunehmen. Mit den scharfkantigen Graten und seinem blechernen Äußeren wirkt er nicht so stabil wie beispielsweise das gute alte Mini Kaoss Pad von 2010, mit dem der NTS-3 in Sachen Formfaktor, Live-Bedienbarkeit und schwarz-roter Farbgebung durchaus vergleichbar ist.
https://www.bonedo.de/artikel/korg-mini-kaoss-pad
Das alte Mini Kaoss Pad führt zudem als Anschlüsse zwei RCA/Cinch-Pärchen, denen ich durchaus mehr vertraue, als den mittlerweile omnipräsenten Miniklinkenbuchsen und kann auch mit Batterien genutzt werden, während das NTS-3 zwingend eine USB-Kabelverbindung zum Betrieb benötigt.
So ganz schutzlos würde ich das NTS-3 also nicht in den Rucksack schmeißen und mir ein kleines robustes Case dafür wünschen.
Bei einer privaten Jam-Session fiel mir auf, dass die Nutzung des NTS-3 im Livebetrieb auch etwas Blindflug darstellt, denn auf der Hardware gibt es keinen visuellen Indikator für FX-Depth, Input und Output. Hier sollte man also gut vorbereitet in eine Bühnensituation gehen. Die Navigation durch die Parameter am Gerät ist aufgrund der limitierten Bedienelemente ebenfalls eher aufwändig. Zum Glück gibt es dafür aber den Editor.
Max 4 Live in Hardware?
Natürlich gewinnt das NTS-3 klanglich und konzeptionell aufgrund der sehr individuellen Programmierbarkeit und der Möglichkeit, selbstkreierte oder von Drittanbietern offerierte Effekte zu laden, wodurch wir dem NTS-3 je nach Eigenleistung oder Support eine lange Nutzungsdauer prognostizieren würden. Das ist so ein bisschen wie Max 4 Live in Hardware.
Dafür spricht auch, dass KORG dem NTS-3 wie auch dem ebenfalls neue Korg Nu:Tekt NTS-1 mkII einen neuen und stärkeren Prozessor spendiert hat. Der STM32H725IET6 ARM® Cortex®-M7 @550MHz Prozessor soll laut Forengerüchten 5 bis 8 mal schneller sein als der Cortex M4 im NTS-1 OG, XD und Prologue.
Leider bedeutet das auch, dass die NTS-1 Custom-Effekte nicht kompatibel mit dem NTS-1 mkII sind. Der renommierte Entwickler Sinevibes arbeitet jedoch bereits an einigen Effektprogrammen.
Mir lagen zum Test bereits folgende Sinewave-Units als Beta-Versionen vor: Blend (multi voice chorus), Corrosion (multi algorithm distortion), Dipole (through zero flanger), Vibrant (deep phaser), Whirl (barber-pole phaser) sowie das Granular-Reverb Albedo.
Auch YouTuber Loopop hat in seiner NTS-3-Präsentation mit dem „Phaser Loopop“ bereits ein eigenes Plug-in am Start, das er mit seinem Sohn entwickelt hat und das Steve Reichs Phase-Loop-Konzept von leicht unterschiedlich synchronisierten Tape-Loops adaptiert.
https://loopop.gumroad.com/l/vhncoz
Plug-ins von Drittanbietern werden einfach über den Kontrol Editor geladen, tauchen in der Liste der Generic FX auf und stehen nach einer Synchronisierung (SEND) auf dem NTS-3 zur Verfügung.
Audio
Hier habe ich einige Third-Party-Units für das KORG Nu:Tekt NTS-3 Kaos Pad Kit angespielt, nur jeweils de entsprechende Unit in FX-Slot 1 ohne weitere dahinter geschaltete Slots.
Und weil manche Effekte einfach besser auf einzelnen Signalen funktionieren, hier noch mal die gleichen Third-Party-Units mit einem simplen Arpeggio.
Spontan verliebt habe ich mich vor allem in das Granular Reverb „Albedo“ von Sinewaves, ein wunderbar sphärischer, lang ausklingender Effekt, der hier wie alle anderen auch nur pur, also solo in einem FX-Slot und ohne weitere Effekte angespielt wird. Es stehen also noch drei weitere Slots zur Verfügung, um die Third-Party-Units weiter zu veredeln. Und das macht man am besten im Editor.
KORG NTS-3 – für wen ist das?
Gerade DJs lieben es, mit nur einem Regler maximale Effekte zu erzielen. One knob to rule them all. Das KORG Nu:Tekt NTS-3 Kaoss Pad Kit steht in genau dieser Tradition. Bis zu vier sehr ausdrucksstarke Effekte können mit nur drei berührungsbasierten Bedienelementen maximal in Szene gesetzt werden. Mit dem Editor lassen sich sehr einfach neue aufregende Effektkombinationen erstellen und genau die gewünschten Parameter und Abstufungen für das X/Y-Pad und den Depth-Slider definieren.
Wer noch individuellere Effekte haben möchte, kann mit dem kostenlosen LogueSDK Developer-Kit lizenzfreie Units für das NTS-3 erstellen und sogar verkaufen, denn nach dem mechanischen Zusammenbau geht der Bastelspaß mit dem Soundprogrammieren erst richtig los.
Dennoch werde ich mich nicht scheuen, es auch live einzusetzen, einfach weil sich einige Effektprogramme ganz hervorragend für eindrucksvolle Transitions eignen: nur eine Wischgeste für maximale Dramatik. Günstig, vielseitig und toller Sound. Nicht umsonst hat das NTS-3 bei Thomann gleich den Verkaufsrang 1 bei DJ-Effektgeräten erobert.
KORG Nu:Tekt NTS-3 Kaoss Pad Kit – mögliche Alternativen
Um passende Alternativen für das NTS-3 zu finden, muss man schon auf dem Second-Hand-Markt suchen: Ältere Instanzen des KORG Kaoss Pad erfreuen sich dort teilweise sehr hoher Beliebtheit und sind allesamt teurer als das neue NTS-3. Das somit vielleicht auch eine gute Wertanlage darstellt?
Produkt | KORG Nu:Tekt NTS-3 Kaoss Pad Kit | KORG Kaoss Pad KP3+ | KORG Mini Kaoss Pad KP2S | KORG Mini Kaoss Pad OG |
nachladbare Effekte | ja | nein | nein | nein |
Stromzufuhr | USB-C | Netzteil | Netzteil oder 2x Batterie | Netzteil oder 3x Batterie |
Sampler | nein | ja | ja | nein |
Interner Lautsprecher | ja | nein | ja | nein |
Baujahr | 2024 | 2010 | ||
Preis | 189,- Euro | 2nd Hand ca. 270,- bis 400,- Euro | 2nd Hand ca. 300,- bis 600,- Euro | 2nd Hand ca. 150,- Euro |