Praxis
Normalerweise erwartet man bei mittlerer, also neutraler Einstellung von In- und Out-Poti und von allen Fadern eine Signalstärke, die der im Bypass entspricht. Bei unserem Testpedal haut das allerdings nicht hundertprozentig hin – kein Drama, aber es fällt auf, wenn man das Pedal aktiviert, denn der Pegel ist im Vergleich zum Bypass-Signal geringfügig niedriger. Auf Gleichstand befinde ich mich erst, wenn das Input-Level auf ca. 13 Uhr steht.
Da die beiden Mesa Boogie Zerrkollegen Throttle Box EQ und Flux Five ebenfalls mit einem grafischen 5-Band EQ ausgestattet sind, hat mich natürlich die Neugier gepackt und ich wollte wissen, wie weit die drei Kandidaten klanglich auseinander liegen. Deshalb kommt nun erst einmal der direkte Vergleich der beiden EQ-Einheiten des Five Band Graphic und der Throttle Box EQ. Bei der Throttle Box EQ ist ein Zerrsound eingestellt und der pedaleigene EQ aktiv, im zweiten Beispiel des Distortion Pedals übernimmt der Five Band Graphic diesen Job, der integrierte EQ ist ausgeschaltet. Der Five Band Graphic ist hinter den Distortion geschaltet und selbstverständlich mit derselben V-Kurve versehen. Hier ist das Ergebnis.
Gitarre | In | Out | 80 | 240 | 750 | 2200 | 6600 |
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Les Paul | 13 | 12 | +6 | 0 | -12 | 0 | +6 |
Es klingt prinzipiell recht identisch, der Five Band Graphic hat in meinen Ohren minimal weniger Höhen. Aber die Justierung mit den kleinen Fadern an der Throttle Box EQ kann da auch ein wenig mitspielen. Auf jeden Fall sind beide in ihrer Wirkungsweise und dem daraus resultierenden Sound sehr nahe beieinander.
In den folgenden Beispielen hört ihr zum besseren Vergleich immer zuerst das Beispiel ohne EQ, dann mit aktiviertem Five Band Graphic.
Was kann man nun mit der Kiste alles anstellen? Zum Beispiel eine etwas dicke Gitarre schlanker machen, wenn die Les Paul für drahtige Funksounds einfach zu voluminös rüberkommt. Hier ist die „Treppen-Einstellung“ angesagt und ich habe den Out-Regler etwas zurückgenommen, um einen gleichen Pegel wie im Bypass-Betrieb zu haben. Weil dabei die oberen Frequenzen geboostet werden, muss man dem etwas gegensteuern.
Gitarre | In | Out | 80 | 240 | 750 | 2200 | 6600 |
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Les Paul | 13 | 11 | -7 | -4 | 0 | +4 | +7 |
Nun wird ein Boss DS-1 vor den Five Band Graphic geschaltet, um die Strat etwas schwergewichtiger klingen zu lassen, Mitten und Bässe werden leicht angehoben. Auch das funktioniert sehr gut. Der Five Band Graphic verträgt sich hervorragend mit unterschiedlichen Overdrive- und Distortion-Pedalen und klingt auch bei extremen Frequenzverbiegungen nicht klinisch oder unnatürlich.
Für dich ausgesucht
Gitarre | In | Out | 80 | 240 | 750 | 2200 | 6600 |
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Strat | 13 | 11 | +6 | 0 | +6 | +3 | 0 |
Eine weitere Variante, die sehr gut funktioniert, ist das Anblasen eines Röhrenamps – sozusagen als klangregelbare Boost-Funktion. Mit der „Hügel“-Kurve werden die Mitten breitbandig angehoben, das bringt etwas mehr Durchsetzungsfähigkeit, und der weiter aufgedrehte Output forciert den Amp mit einem höheren Eingangspegel zum Übersteuern.
Gitarre | In | Out | 80 | 240 | 750 | 2200 | 6600 |
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Strat | 13 | 15 | 0 | +6 | +8 | +4 | 0 |
Die V-Kurve klappt auch mit anderen Overdrive-Pedalen, sogar aus dem eher vintagemäßigen Helldrive wird ein moderner Mid Scoop Sound geschraubt. Der Five Band Graphic liefert mit seinen sehr gut abgestimmten Frequenzbereichen immer ein druckvolles Ergebnis und klingt, verglichen zum Beispiel mit dem Boss GE-7, eine ganze Ecke natürlicher.
Gitarre | In | Out | 80 | 240 | 750 | 2200 | 6600 |
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Les Paul | 13 | 12 | +6 | 0 | -10 | +2 | +8 |