Der Roland Juno-60 erscheint im Jahr 1982 wie sein direkter Konkurrent Korg Polysix als kostengünstige Alternative zu den ganz großen Schlachtschiffen wie Jupiter-8, OB-Xa oder Prophet-5. Seine sechsstimmige Klangerzeugung basiert auf nur einem DCO plus Suboszillator sowie einem resonanzfähigen 24dB-Tiefpass-Filter, das mit einem Hochpass ergänzt wird.

Die verschiedenen Junos
Mit Pulsbreitenmodulation und eingebautem – wenn auch nicht rauscharmem – Chorus erzeugt der Juno-60 analoge Wärme und Lebendigkeit. Eine klare Schwäche ist die fehlende zweite Hüllkurve, wodurch Filter- und Lautstärkeverlauf nicht unabhängig regelbar sind.
1984 folgte der Roland Juno-106 mit verbesserter MIDI-Ausstattung, mehr Speicherplätzen und einem etwas kühleren, forscheren Klang. Der Juno-60/106 überzeugt mit einfachen, aber musikalisch vielseitig einsetzbaren Sounds. Besonders Flächen, Strings, Organs, Leads und Bässe liegen ihm, während er für modulare oder experimentelle Patches weniger geeignet ist.
Zwischen 1985 und 1988 wurde der erste Roland Alpha Juno produziert. Abgesehen von DCO und Chorus hat er technisch wenig mit dem Juno-60/106 gemein. Sein Filter erreicht keine Selbstoszillation, und die Hüllkurven sind digital gesteuert. Dennoch lassen sich typische Juno-Sounds erzeugen, und das aktuell überzeugendste Plugin ist der TAL-Pha von TAL Software.
Angesichts steigender Gebrauchtpreise von über 2.000 Euro für einen Juno-6/60/106 sind die digitalen Nachbildungen eine willkommene Alternative.
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- Cherry Audio DCO-106 – preiswerter Juno-106
- TAL-Software TAL-U-No-LX – klassischer Juno-60
- u-he Diva – erhabener und flexibler Juno-Typ:
- Arturia JUN-6v – expansiver Juno-60
- Roland Juno-106 Plugin – perfekt und modern
- Roland Juno-60 Plugin – authentischer wird´s nicht
- Softube Model 84 – souveräne Antwort aus Schweden
- Air Music Technology Jura – Juno-60 für Akai-User
- SOUNDVERGLEICH – Alle Juno 6/60/106 Plugins in der Praxis
- Fazit – “Roland Juno” Soft-Synths im Vergleich
Cherry Audio DCO-106 – preiswerter Juno-106
Cherry Audio, eine kleine Firma aus Kalifornien, ermöglicht mit dem DCO-106 einen preiswerten Einstieg. Selbst regulär kostet das Software-Instrument nur 39 EUR. Schon der erste Blick auf die ansprechende Benutzeroberfläche verrät, dass der Roland Juno-106 detailgetreu abgebildet wird.

Erweitert werden der LFO (mit sechs Wellenformen und Tempo-Sync) sowie die Effekte, die neben dem obligaten Chorus einen Reverb (drei Algorithmen: Room, Plate, Hall) und ein programmierbares Delay enthalten. Nützlich für Techno und Co. ist die Chord Memory-Funktion. Der bis zu 16-stimmige Cherry Audio DCO-106 für Windows und Mac OS läuft als Plugin und Standalone. Unter seinen 330 Factory Presets sind auch die Patches des originalen Juno-106 enthalten, zu dem er klangdatenkompatibel ist.


TAL-Software TAL-U-No-LX – klassischer Juno-60
Eine bewährte Juno-60 Emulation stammt von TAL-Software. Der TAL-U-No-LX für Windows und Mac OS (Linux optional im Angebot) ist mit rund 60 Euro sehr moderat kalkuliert und vermittelt optisch wie klanglich ein schönes Retro-Feeling. Eine Portamento-Funktion und verschiedene Filter-LFO-Wellenformen kommen hinzu.

Alle Parameter und Funktionen der bis zu 12-stimmigen Tonerzeugung sind automatisiert (MIDI Learn). Zusätzliche Effekte wie Hall oder Delay sind leider nicht integriert. Es finden sich für den TAL-U-No-LX viele kostenfreie User-Patches sowie erlesene Designer-Klänge.
u-he Diva – erhabener und flexibler Juno-Typ:
Eigentlich verkörpert u-he Diva keine klassische Juno-Emulation, sondern vereint einige einzelne Komponenten namhafter Analog-Synthesizer (Moog, Roland, Korg, Oberheim) zum fairen Preis von rund 160 Euro. Oszillator, Filter und Hüllkurve sind als austauschbare Module angelegt.

Nimmt man die Konstellation „DCO (Filter) – VCF/Cascade (Filter) – Analoge (Hüllkurven)“ oder das entsprechende Template entspricht Diva einem virtuellen Juno-60 plus zwei simultan nutzbare Effekte. Es gibt Hunderte erstklassiger Presets, eine Bibliothek speziell mit Juno-60 Patches ist aber nicht vorhanden.


Arturia JUN-6v – expansiver Juno-60
Zusammen mit der V-Collection stellt Arturia den JUN-6V vor. Seine optische Erscheinung ist dem Original nachempfunden, bei der Klang- und Effektausstattung legen die Franzosen aber effizient nach: Eine zusätzliche Hüllkurve und ein weiterer LFO ermöglichen modualtivere Klänge. An Board sind auch ein Delay- und Reverb-Effekt.

Seine über 180 Factory Presets zeigen, dass er anders und vor allem aktueller klingen kann als ein klassischer Roland Juno-60. Mit einem regulären Preis von fast 200 Euro ist er als Einzelprodukt weniger attraktiv als Bestandteil der V-Collection.


Roland Juno-106 Plugin – perfekt und modern
Mit dem Juno-106 aus der Roland Cloud erscheint ein Spitzenkandidat zum stolzen Preis von über 200 Euro, was die Emulation des klassischen Roland-Synthesizers angeht. Er ist ebenso als Abonnent der Roland Cloud zu bekommen, lässt sich zusammen mit der Plug-out-Hardware System-1/8 und auch innerhalb des Software-Synthesizers Zenology Pro verwenden.

Die skalierbare fotorealistische Oberfläche des Roland Juno-106 animiert zum Klangschrauben, wozu zwei separate Hüllkurven zur Verfügung stehen. Eine dreifache Effektsektion (Modulation/Distortion, Delay, Reverb) rundet den Sound ab.


Roland Juno-60 Plugin – authentischer wird´s nicht
Neben dem Juno-106 hat Roland auch den Juno-60 sehr akkurat emuliert. Das ist sinnvoll, weil beide Juno-Modelle bereits im Original klangliche Unterschiede aufweisen, die sich auch bei den virtuellen Synthesizern sehr deutlich zeigen.

Der virtuelle Juno-60 verfügt über eine zweite Hüllkurve, den Boss CE-1-Chorus-Effekt und insgesamt bis zu acht Stimmen. Er ist als Plugin in der DAW sowie als Plugout mit dem Roland System-8 nutzbar. Optisch und klanglich ist er dem DCO-Synthesizer am nächsten.


Softube Model 84 – souveräne Antwort aus Schweden
Mit erstaunlich guten Klangeigenschaften präsentiert sich der Model 84 von Softube. Es handelt sich natürlich um eine Emulation des 1984 erschienenen Roland Juno-106. Dabei bleiben die Schweden puristisch und ergänzen weder Effekte (der beliebte Chorus ist vorhanden) noch einen Arpeggiator.

Mit regulären 159 Euro ist er kein Schnäppchen, aber erstens zahlt sich die Qualität aus und zweitens bekommt man die einzelnen Komponenten des Synths als sieben Module plus Chorus-Effekt separat hinzu. Für Softube-User eine runde Sache also, Demo-Version probieren!
Air Music Technology Jura – Juno-60 für Akai-User
Es ist mehr als ein VST-Plugin: Speziell für die User der Akai MPC-Serie (One, Live, X, Key) oder Akai Force und weniger für klassische DAW-User passt der Jura von Air Music Technology. Im Air Music Technology Jura Test findet ihr einige aussagekräftige Hörbeispiele und weitere Produktinfos.

