Supergeil ist er natürlich, wie alles überhaupt: Der Synthesizer-Sound im Youtube-Hit “Supergeil” von Der Tourist feat. Friedrich Liechtenstein. Diesem mehr oder weniger im ganzen Song vorkommenden Sound widmen wir uns diese Woche.
Ich habe den Sound wieder mit dem Freeware-Softsynth Tyrell N6 nachgebaut und ein Preset zum Download vorbereitet. Wer selbst schrauben möchte, beginnt mit dem Init-Preset, das beim Starten des Tyrell automatisch eingestellt ist. Das Pattern klingt dann so:
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Für diesen Sound brauchen wir zwei Oszillatoren mit Sägezahn-Schwingungen. Dafür lasst ihr den ersten Oszillator (SHAPE 1) wo er ist und dreht den zweiten voll nach links (SHAPE 2). Wie bereits öfters in diesem Workshop bemerkt, stimmt die grafische Darstellung beim zweiten Oszillator nicht. Gezeigt wird eine Art Sinusschwingung, hören tut man aber einen Sägezahn. Also lasst euch nicht verwirren.
Um einen breiteren Sound zu erhalten stimmen wir den zweiten Oszillator mittels TUNE 2-Regler um eine Oktave nach oben (12.00). Und um die beiden Klangerzeuger ins richtige Verhältnis zu bringen, stellt ihr OSC 1 im Mixerbereich ungefähr auf 8.00 (Displayanzeige) und den OSC 2 auf -4.00. Zusammen klingt das so:
Mit dem Filter nehmen wir dem Sound jetzt die Schärfe. Dafür setzen wir dieses Mal ein Bandpassfilter ein. Schaltet das Filter bei VCF Mode auf Bandpass (BP) um und wählt daneben bei VCF Poles eine Flankensteilheit von 12 dB/Oct. Der Cutoff (CUT) wird auf etwa 50.00 gestellt und die Resonanz (RES) auf 16.00. Weil wir gleich die Filterhüllkurve ENV 2 brauchen werden, drehen wir das Poti MOD 1 schon mal auf ca. 44.00.
Mit den beiden Hüllkurven ENV 1 und ENV 2 definieren wir nun den zeitlichen Verlauf des Sounds. ENV 1 regelt die Lautstärke und sollte ungefähr so eingestellt werden: Attack (A) auf 0.00, Decay (D) auf 55.00, Sustain (S) auf 0.00 und Release (R) auf 20.00. Die zweite Hüllkurve ENV 2 ist für das Filter zuständig und sieht so aus: Attack (A) 5.00, Decay (D) 36.00, Sustain (S) 00.00 und Release (R) 50.00, wobei Release in diesem Fall eigentlich egal ist. Bei beiden Hüllkurven spielt die Release-Zeit diesmal nur eine Rolle, wenn man die Taste noch vor Ablauf der kurzen Decay-Zeit wieder loslässt, denn das Sustain-Level steht jeweils auf Null.
In der DAW spendieren wir dem Sound zu guter Letzt noch ein kleines Stereodelay mit einer Delayzeit von einer Sechzehntelnote und kaum Feedback. Ein schöner Stereoeffekt lässt sich erzielen, indem man die Delayzeiten auf beiden Seiten ganz leicht unterschiedlich einstellt (wenige Millisekunden). Außerdem sollte das Effektsignal etwas dumpfer gefiltert werden – viele Delays besitzen zu diesem Zweck ein eingebautes Tiefpassfilter bzw. einen Dampening-Parameter.
Den fertigen Tyrell-Sound könnt ihr euch unten herunterladen. Wie man das Preset in das Plugin hinein bekommt, ist hier beschrieben.