Teenage Engineering OP-XY Test

Mit dem OP-XY spendiert Teenage Engineering dem bewährten OP-1 Synthesizer einen neuen Artgenossen mit speziellem Fokus auf Sequencing. Die verspielte, unkonventionelle Arbeitsweise, die den OP-1 so beliebt gemacht hat, wird beim OP-XY teils ergänzt, aber auch durch andere Features ersetzt. Ein Sampler, eine Drum Machine so wie acht weitere Synth Engines laden dank des extrem vielseitigen Step Sequencers zu vielschichtigen Klang-Erlebnissen ein. Wie der weitestgehend in schwarz gehaltene OP-XY sich von seinen Geschwistern OP-1 und OP-1 Field absetzt haben wir für euch im Test herausgefunden.

Teenage Engineering OP-XY

Teenage Engineering OP-XY – Das Wichtigste in Kürze

  • Neues Mitglied in der OP-Familie (OP-1, OP-1 Field, OP-Z)
  • Viele Ähnlichkeiten zum OP-1 Field
  • Fokus auf Sequencing und Performance
  • Vielseitiger 64-Step Sequencer mit bis zu 16 separaten Tracks
  • 3 Sampler-Typen und 8 Synthesizer-Engines
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Teenage Engineering OP-XY
Teenage Engineering OP-XY
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OP1-Field und OP-XY: Was sind die wesentlichen Unterschiede?

Neben der Optik sowie unterschiedlichen Synth Engines und Sounds unterscheidet sich der OP-XY vom OP1-Field vor allem in dem Workflow, wie Ideen dokumentiert und Sounds organisiert werden. Das geschieht beim OP-1 in dem virtuellen 4-Track Tape Deck, worin Audio eingespielt und aufgenommen wird. Die Arrangements und Songs kommen im OP-XY ausschließlich über den vielseitigen Sequencer zustande, was einen grundsätzlich anderen Workflow bedeutet. Auch die Effekte sind durch das Send-Prinzip anders organisiert. Das verspielte Bedienkonzept, der Sampler und einzelne Sounds dürften beim OP-XY jedem bekannt vorkommen, der schon einmal am OP-1 oder OP-1 Field gesessen hat.

Erster Eindruck

Teenage Engineering OP-XY: Bedienelemente
Same but different: Beim OP-XY kommen statt bunten Farben viele Grautöne zum Einsatz (Foto: Thomann)

Beim Auspacken des OP-XY muss ich kurz schmunzeln. Der Preis der neuen Teenage-Engineering-Produkte ist mittlerweile mehr als doppelt so hoch wie bei den Vorgänger-Modellen, aber die wenig vertrauenserweckende Plastik-Hülle ist geblieben. Dafür hat sich der Look von weiß (OP-1) auf schwarz geändert und statt den bunten Farben sind dunkle Graustufen eingekehrt, die man je nach Lichtsituation nur schwer auseinandergehalten bekommt. Die Bedienoberfläche ist von der robusten Aluminium-Gehäuseplatte leicht abgehoben, was sowohl ästhetisch, als auch beim Spielen sehr angenehm ist. Mit seinen 288 x 102 x 29mm (BxTxH) ist der dunkle Neuling genau so kompakt wie seine Vorgänger.

Aufbau und Funktionsweise

Es ist zugegebenermaßen nicht leicht, der extremen Vielseitigkeit des OP-XY in einem kompakten Testbericht gerecht zu werden. Die vielen Features sind auf unterschiedlichste Weisen miteinander verbunden und erzeugen so den unkonventionellen, aber umso mehr inspirierenden Workflow des OP-XY.

Versuchen wir mal, das Wesentliche herauszufiltern:

Der Synth ist in vier „Main Modes“ organisiert: Instrument, Auxiliary, Arrange und Mix. Diese Modi begleiten uns vom Grund-Sound, über Sequenzing und Effekte bis hin zum fertigen Song.

Der OP-XY beheimatet acht digitale Synthesizer-Engines sowie einen Drum Sampler und einen Multisampler mit 24-facher Polyphonie. Diese Sounds lassen sich wie beim OP-1 auf den unten anliegenden Tasten als Standalone-Synthesizer spielen. Unter dem Display befinden sich vier sogennante „Modules“, die zu Sub-Menüs führen. Je nachdem, welches Modul aktiv ist, erledigen die vier großen Encoder unterschiedliche Aufgaben. So können diverse Einstellungen für Klangfarbe, Hüllkurven, das (Multimode-)Filter und den LFO der aktiven Synth-Engine vorgenommen werden.
Außerdem können globale Einstellungen wie Velocity, Tuning, Portamento, Aftertouch oder Width für den jeweiligen Sound festgelegt werden.

Teenage Engineering OP-XY: Parameter
Die meisten Parameter-Einstellungen laufen über die morphenden vier Encoder (Foto: Tom Gatza)
Teenage Engineering OP-XY: Mixer
Im Mixer werden die Tracks zusammengemischt und mit Effekten belegt. (Foto: Thomann)

Synth Engines und Spielhilfen

Die verschiedenen Synth Engines des OP-XY decken einen großen Aufgabenbereich ab. Von einem einfachen Wavetable-Synth, über glockige FM-Engines, eine vielseitige Orgel bis hin zu Bass-Synths, verträumten Pads und aggressiven Hard-Sync-Leads gibt es hier wirklich eine große Auswahl. Dank des Multimode-Filters (SVF, Ladder, OP-Z Lowpass und OP-Z Highpass), der beiden Hüllkurven für Amp und Filter und dem LFO (vier unterschiedlich arbeitende LFO-Typen) sind diverse Synth-Parameter editierbar. Auf der Oszillator-Ebene wird der Synth eher über globale Makros (zum Beispiel Ratio, FM oder Detune) gesteuert als über eine detaillierte Oszillator-Sektion.

An gleicher Stelle wie beim OP-1 Field befindet sich der „Player“-Button. Hier verstecken sich einige Spielhilfen wie ein vielseitiger Arpeggiator, eine Hold-Funktion und „Maestro“, eine Art Chord Memory-Feature. Experimentelle Sequencer-Funktionen aus dem OP-1, wie etwa Tombola oder Sketch, entfallen beim OP-XY aufgrund seines speziellen Sequencers logischerweise.

Teenage Engineering OP-XY Synth Engines
Die Synth Engines haben oft eigene Grafikdesigns (Foto: Tom Gatza)

Die Sampler

Viele haben aufgeatmet, als Teenage Engineering dem OP-1 Field ein besseres internes Mikrofon für den Sampler spendiert hat. Den charakteristischen Sampler-Sound habe ich noch in keinem DAW-Sampler nachempfinden können. Dem Algorithmus wohnt irgendeine Magie inne, die auch im OP-XY zutage tritt. Neue Sounds können aus insgesamt fünf Quellen aufgenommen werden: Über das interne Mikrofon, den internen Sound, USB-Audio, Line In oder über ein Headset-Mikrofon.
Hinzu kommt ein Multi Sampler, bei dem mehrere Keyboard-Zonen mit unterschiedlichen Samples belegt werden können. Beim Drum Sampler widerrum lässt sich jedes Sample einzeln in Pitch, Trigger-Verhalten und Länge editieren.
Mit bis zu 8 Gigabyte Speicherplatz für Samples und Sequencer-Projekte lässt der OP-XY den OP-1 Field weit hinter sich.
Bis auf ein paar zusätzliche Settings und Sounds ist die Arbeitsweise bis hierhin ähnlich wie beim OP-1 Field. Richtig interessant wird es beim Sequencer, denn der hat es in sich.

Sequencer

Während beim OP-1 Field der Workflow auf einem virtuellen Tape Deck und Audio-Recordings basiert, dreht sich beim OP-XY alles ums Sequencing. Bis zu acht Instrumente gleichzeitig lassen sich gleichzeitig sequenzieren und programmieren. Diese 8 Spuren werden über die Buttons neben den Modulen ausgewählt und können dann jeweils bearbeitet werden. Im Auxiliary Mode befinden sich acht weitere Control-Tools, die von Midi-Effekten, über einen Tape Looper bis hin zu Audio-Effekten reichen und ebenfalls vollständig sequenzierbar sind. Somit kommen wir auf 16 separate Tracks für den Sequencer.

Teenage Engineering OP-XY Step Buttons
Zentral gelegen sind die 16 Step-Buttons für den Sequencer (Foto: Thomann)

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Die sequenzierten Noten lassen sich auf ganz unterschiedliche Arten variieren. Jeder Step lässt sich im Timing nudgen, alternativ kann man auch beim Einspielen die Quantisierung deaktivieren und befindet sich ebenfalls außerhalb jeglicher Grids. Hinzu kommen die programmierbaren 14 Step Components, mithilfe derer sich Noten benden, randomisieren, skippen oder multiplizieren lassen. Auch Parameter-Bewegungen können aufgenommen und sequenziert werden als sogenannte „Parameter Locks“. Somit geraten wir im Handumdrehen in die Welt komplexer Strukturen und Polyrhythmen.

Das Bar-Menü

Das Bar-Menü ist ein weiteres Manipulations-Tool. Hier lässt sich unter anderem festlegen, welchen Swing-Faktor eine Spur hat, ob sie quantisiert ist und wie lang die jeweilige Sequenz pro Spur ist. Es sind bis zu 64 Steps möglich, die dann in insgesamt vier „Pages“ auf den zentralen Sequenzer-Buttons aufblinken. Ein interessantes Zusatz-Feature ist das Track Scaling: Hier lässt sich festlegen, welche Noten-Länge die Steps einer Spur haben. Das startet bei 16teln und endet bei ganzen Noten. Kleiner Mathe-Ausflug: Wenn nun ein Step eine Ganze Note (=sechzehn 16tel-Noten) lang ist und die Sequenz 64 Steps hat, entspricht das einer Länge von bis zu 1024 16tel Steps. Ihr könnt euch also vorstellen, dass hier extrem lange Sequenzen möglich sind, was gerade für Ambient-Experimente interessant ist. Besonders aufregend ist, dass sich all diese Einstellungen unabhängig pro Spur festlegen lassen, wodurch jede Spur ein ganz besonderes Eigenleben entwickeln kann.

Patterns, Szenen und Songs

Für jede der 16 Spuren gibt es im Arranger-Modus jeweils neun Pattern Slots. Somit könnt ihr mehrere Patterns pro Instrument programmieren, speichern und dann performativ nach interessanten Kombinationen von Pattern suchen. Diese lassen sich widerrum in sogenannten Szenen, welche dann im „Song“-Mode in eine gewünschte Reihenfolge gebracht werden. Dieser Workflow mag erst einmal abschreckend klingen, ist jedoch mit ein wenig Trial and Error schnell verstanden und eignet sich dann hervorragend, um aus einfachen Patterns Arrangements mit Spannungsbögen zu erschaffen, die sich nicht alle 4 Takte wiederholen. Für die nun entstandenen Songs stehen zehn Speicher-Slots pro Projekt bereit. Außerdem gibt es globale Einstellungen für Tempo, Metronom und elf verschiedene Swing/Groove-Typen.

Effekte

Der OP-XY hat zwei Effekt-Slots, für die sechs FX-Typen zur Verfügung stehen (Chorus, Delay, Distortion, Lofi/Bitcrush, Phaser und Reverb). Diese sind als Send-Effekte angelegt und werden über die Send-Regler im Mixer-Bereich pro Spur angesteuert. Sie sind in den Auxiliary Tracks beheimatet und lassen sich somit ebenfalls sequenzieren. Gleiches gilt für die sogenannten Punch In-Effekte. Hierbei handelt es sich um eine Reihe interessanter Makro-Effekte, die sich intuitiv auf eine laufende Sequenz anwenden lassen. Es klingt so, als würden sie aleatorisch bestimmte Steps wiederholen, Tonhöhen verändern und kreatives Chaos verbreiten. Sie wirken im Workflow wie eine Wundertüte und erinnern phasenweise an das ähnlich intuitive Korg Kaoss Pad. Schließlich gibt es auch noch Master-Effekte in Form von Equalizer, Saturator, Kompressor und Limiter, mit denen sich der kreierte Track feinschleifen lässt.

Anschlüsse & Verbindungen

Teenage Engineering OP-XY Anschlüsse
Die Anschlüsse sind leider nur von der Unterseite beschriftet (Foto: Thomann)

Im sogenannten Com-Modus werden nicht nur System-Einstellungen, sondern auch die Verbindungen zu externen Geräten verwaltet. Wem die Mini-Tastatur des OP-XY zu klein ist, kann den Synth auch über ein externes Midi-Keyboard kontrollieren. Über die Kleinklinken-Anschlüsse für Midi In/Out und Midi/Sync können CV- und Sync-Verbindungen etwa zu Analog-Synthesizern oder auch anderen Geräten von Teenage Engineering hergestellt werden. Dies geht bei Bluetooth-fähigen Geräten auch kabellos dank Bluetooth Midi. Über den USB C-Anschluss lässt sich das Gerät als Audio-Host nutzen. Außerdem werden hier Firmware-Updates oder Samples von einem Computer in den OP-XY geladen. Es lässt sich sogar ein Effekt-Loop einschleifen, bei dem Audio vom Synth in ein Effekt-Pedal und wieder zurückgeschickt wid. Wie bei Teenage Engineering üblich, passiert das alles über 3,5mm-Klinkenanschlüsse, weswegen hier schnell Adapter oder Spezialkabel gebraucht werden. Außerdem ist die Beschriftung der Buchsen unter dem OP-XY, was lästig ist, wenn man ihn jedes mal umdrehen muss, um den richtigen Anschluss zu finden. Der eingebaute Lautsprecher ist immer noch klein, aber schon viel feiner und basslastiger als noch beim Urahnen OP-1. Der integrierte Lithium-Ionen Akku wird über den USB C-Anschluss wieder aufgeladen – leider ist aber kein entsprechendes Ladegerät oder Kabel im Lieferumfang enthalten.

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Stephan sagt:

#1 - 28.02.2025 um 11:37 Uhr

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Äh, da ist leider wohl das falsche Produkt bei Thomann verlinkt. 299,00 Euro wären ein schöner Preis...

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